Ein Tag im Valvestino,

Besuch bei Silvo ,

dem Schäfer von Droane und das Fest des Schutzheiligen San Vigilio am 2. Juni.

 

Von Ghita Beltrami

 

Vom Hotel Riviera erreicht man in wenigen Minuten Gebiete und Landschaften, die praktisch unberührt von jeder menschlichen Zivilisation geblieben sind und wo einzelne Menschen noch wie vor hunderten von Jahren leben. So wie z. B.  Silvio Tedeschi, der Schäfer von Droane. Ich  habe ihn kürzlich besucht in seiner winzigen Behausung mit seinen  Schafen und Ziegen hoch in den Bergen beim Valvestino Stausee und dies hat mich zum Schreiben dieser kleinen Geschichte verleitet.

Der Weg fürt über Gargnano, hinter der Ampel  200m rechts biegt eine Strasse  in Richtung Valvestino-Magasa-Idro ab. Wir fahren circa 10 Km immer weiter durch ein wild-romantisches Tal und kommen an den Valvestino Stauesee. Hinter  der Mitte des Sees, hinter  der Staumauer  führt eine kleine nicht asphaltierte Strasse (Schild 51)  rechts ab. Bald kommt eine Baracke in Sicht, dort parken wir und gehen  zu Fuss bis wir an einen Bach kommen dem Droanello, den wir überqueren und links hochgehen., bis wir auf eine grosse freundliche  Lichtung kommen. Dort oben sehen wir schon einige Behausung und Stallungen mit Namen Droane.

Das erste was ins Auge fällt sind die schönen Apfelbäume rundherum, welche das Grundstück des Schäfers Silvio und seiner Schwester Adelina markieren und die bezeichnend sind für ihren sorgsamen Umgang mit Natur und Kreatur, denn einiges Obst wird absichtlich auf den Bäumen gelassen als Nahrung für die Vögel.  Die Hunde bemerken uns als erste und begrüssen uns mit freundlichem Gebell. Auch Silvio empfängt uns mit seinem warmen Lächeln, in seinen Augen spiegelt sich echte Freude und die Neugierde eines Kindes, trotz seiner über 80 Jahren. Ihn umgiebt keines Falls dieses stets ein wenig spürbare Misstrauen der Bergbewohner gegenüber Fremden, im Gegenteil, seine Offenheit und Grosszügigkeit ist geradezu wohltuend und einladend. Er zeigt uns mit grosser Freude und auch ein wenig mit Stolz seine 15 kleinen Ziegen wohl aufbewahrt im warmen Stall, liebevoll mit  frischem Stroh ausgestattet, seine zahlreichen Schafe , Hühner, Gänse, Enten und diverse Vogelarten und alles kreucht und fleucht wie es will. Sofort hat man das Gefühl alles “lebt” hier oben rings herum, obwohl im Winter und Silvio liebt das Dasein mit seinen Tieren. Sein Haus ist wohl bestellt, drinnen wärmt ein gemütliches Feuer die Stube. Am Kamin sitzt Adelina, etwas älter als Silvio, strahlt auch sie noch eine bewurdernswerte Jugendlichkeit aus. Sie schaut mit Fürsorge auf ihren jüngeren Bruder. Nach dem Tod ihres Mannes unten im Dorf war sie zu ihrem Bruder in die Berge gezogen. Sie setzt den Kaffe auf den Herd, guter Kaffeduft erfüllt den Raum. Die Wintervorräte an Holz sind draussen sorgsam aufgestapelt. Trockene Kastanien, Maiskolben, Peperoncino, Zwiebeln und Knoblauch sind unter dem Dachfirst aufgehängt. Tierfelle, Geweihe, alte Werkzeuge und Geräte erzählen die Geschichten der Vergangenheit. Nur ein Sonnenkollektor erinnert uns an die heutige Zeit, und natürlich das Radio, der Fernseher. Wir sind nur auf 800m Höhe, keinesfalls im Hochgebirge, doch haben wir das Gefühl der “Welt abhanden gekommen zu sein”.

Und hier beginnt seine Geschichte: Der Vater Giovanni Tedeschi mussste nach einigen Missernten und Hungersnöten, das Vieh starb ihm unter den Augen weg und sie hatten hohe Schulden, nach Amerika auswandern, sowie einige seiner Brüder nach Frankreich. In Amerika arbeitete er als Lokführer. Er lernte Maria kennen und lieben und sie entschlossen sich zurückzukehren und in Droane 1921 ihre neues Zuhause zu gründen. Hier wurden Silvio und Adelina geboren und die Landwirschaft brachte reichen Segen. Das Land wurde fruchtbar gemacht, Mais und Getreide, Kartoffeln, Sellerie, Rote Beete, Zuckerrüben angebaut.  Auch jede Menge Vieh aufgezogen, Kühe, Rinder, Schafe, Ziegen, Hühner gehalten. Silvio war immer schon als Junge ein leidenschaftlicher Schäfer, andere Arbeiten gefielen ihm nie lange. Auch Käse wurde selbst hergestellt und ins Trentino, nach Tione und Ledro verkauft. Ebenso die Milch jeden Morgen ins Tal gebracht. Ein hartes Leben, aber irgenwie frei und selbstbestimmt, immer draussen in der frischen Natur. Eines Tages unten in Gardone lernte Silvio seine Rosa kennen, eine feine Dame aus  Mailand. Sie verliebten sich und Rosa zog zu Silvio. Für sie war alles neu, doch sie mochte es draussen bei Silvio zu sein. Sie war eine fabelhafte Köchin. Wenn die Verwandten aus der Stadt zu Besuch kamen staunten sie nicht schlecht über Rosa’s Lebenswandel, doch ihre frische Haut, ihr gesundes Aussehen und das beherzte Lachen sprachen für sich. Sie waren glücklich hier oben. Leider verstarb Rosa schon nach 7 Jahren. Es war die glücklichste Zeit meines Lebens, erzählt Silvio nicht ohne Tränen in den Augen. Er nimmt ein Foto von der Wand, ..”das ist sie..”....für  Sivio war sie die einzige, die wahre Liebe seines Lebens.

Adelina steht auf, es ist spät geworden, sie nimmt den Korb mit unseren Mitbringseln, leert ihn und gibt ihn Silvio, der damit unter dem Knistern des Feuers nach draussen  geht und nach einigen Minuten mit Äpfeln und Birnen gefüllt wieder kommt ..”Für Euch”...wie haben wirklich viel Obst ..bis zu 120 Zentner im Jahr, bester Qualität und Geschmack. Das Obst in Droane ist wirklich speziell “…sagt Silvio.

Und mit diesem Korb verabschieden wir uns und gehen hinüber zu seinem Cousin, der lebt in 200 m Entfernung auf der selben Lichtung gleich gegenüber der kleinen Kapelle von San Vigilio, einziger Zeugin  der Existenz eines kleinen Dorfes hier an dieser Stelle vor langer Zeit.

In der Tat soll es hier ein kleines Dorf gegeben haben, bestehend aus nicht mehr als 100 Personen, dazu zählte auch die gesamte Familie Tedeschi. Gegenüber dem Kirchlein betreibt der Cousin Tiene eine kleine Gastwirtschaft für vorbeiziehende Wanderer. Er ist ein sympatischer Bursche, der sich ein paar Hühner hält und sich auch sonst ganz passabel durchs Leben schlägt, sich über jeden Besucher  herzlich freut und ihn zum Kaffee einlädt. Mit seinem Halstuch über als Stirnband sieht er eher aus wie ein Pirat. Jedes Jahr am 26. Juni wird hier oben das Fest für den Schutzheiligen des Kirchleins Vigilio gefeiert. Dazu kommen sie aus den benachbarten Dörfern und auch von weither. Am Ende der Messe findet die traditionelle Brotverteilung statt, wohl als Andenken an die bittere Armut der Bevölkerung.

Es korsierte eine Legende aus dem Mittelalter um 1500-1530, dass  in Droane eine schreckliche Pestseuche grassierte, die den gesamten Ort ausgelöscht haben soll, nur zwei alte Frauen überlebten dank ihrer Zurückgezogenheit in einer alten Scheune. Gegen Ende suchten die beiden Frauen Hilfe und wanderten nach Magasa , wo sie jedoch aus Ansteckungsfurcht abgelehnt wurden. Eine der beiden starb kurz darauf an Entkräftung, die andere fand Unterkunft und ein neues Zuhause in Aer bei Tignale.

 

 

Cima Rest Magasa, 40 minuten mit Auto von Hotel Riviera Limone

 

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